Kennen Sie das? Diese Gespräche mit Vorgesetzten, Mitarbeitenden oder Kund*innen, die immer an der gleichen Stelle in eine Sackgasse führen, aus der Sie nicht wieder herauskommen?

Wie schön wäre es, wenn Sie eine Technik an der Hand hätten, die Ihnen hilft, wieder auf die Erfolgsspur zurückzukommen?

Mit Perspektivwechsel kann es Ihnen gelingen, solche Situationen und Herausforderungen aus einem ganz neuen Blickwinkel zu sehen. Damit eröffnen Sie sich neue Möglichkeiten zu reagieren, zu handeln und schließlich zum Erfolg zu kommen.

In diesem Blog-Beitrag erfahren Sie mehr über die Hintergründe. Außerdem, warum es Ihnen manchmal so schwerfallen kann, die Perspektive zu wechseln.

Darüber hinaus bekommen Sie 6 konkrete Praxis-Methoden für mehr Kreativität, für Konfliktlösungen und für Verhandlungen an die Hand, um im Alltag vom Perspektivwechsel zu profitieren.

Inhalt

Was ist ein Perspektivwechsel?

Perspektivwechsel ist die Fähigkeit den eigenen Blickwinkel zu verlassen und die Welt aus den Augen einer anderen Person wahrzunehmen.

Sie versetzen sich in die Lage Ihres Gegenübers und versuchen sich ein Bild davon zu machen, was diese Person denken und fühlen könnte.

Was denkt und nimmt Ihre Mitarbeiter*in wahr, wenn Sie ihr Feedback geben? Wie hört sich Ihr Angebot aus der Sicht Ihrer Kund*in an?

In der Psychologie wird der Perspektivwechsel als eine Überlappung aus Theory of Mind und Empathie beschrieben.

Klingt einfach, ist jedoch ein komplexer Denkprozess und wahrscheinlich sind auch Sie hierbei schon mal an Ihre Grenzen gekommen.

Warum ist ein Perspektivwechsel wichtig?

Dennoch: Es bringt große Vorteile mit sich, wenn Sie die Perspektive wechseln können. Denn nur so finden Sie neue Wege, wie Sie Herausforderungen, Konflikte oder Verhandlungen erfolgreich meistern.

Das sind die Vorteile des Perspektivwechsels im Einzelnen:

  • Erweiterung des Horizonts: Der Perspektivwechsel ermöglicht es Ihnen eine oder mehrere neue Sichtweise(n) auf Probleme, schwierige Situationen und Herausforderungen zu erhalten.
  • Hinterfragen eigener Positionen: Der Perspektivwechsel ist eine ideale Gelegenheit eigene Positionen und Denkmuster zu hinterfragen. Klingt das, was für Sie vollkommen logisch und nachvollziehbar klingt noch genauso, wenn Sie sich in Ihr Gegenüber hineinversetzen?
  • Verständnis für andere Sichtweisen und Meinungen: Sehen Sie Situationen durch andere Augen. Dadurch gelingt es Ihnen nachzuvollziehen, warum Ihr Gegenüber so denkt, glaubt, argumentiert und handelt.
  • Mehr Kreativität durch neue Denk- und Lösungswege: In dem Sie sich in eine andere Person hineinversetzen, hineinfühlen und hineindenken, schaffen Sie Raum für neue Ideen.

Und diese Vorteile des Perspektivwechsels werden auch in der Mediation genutzt.

So können Sie als Mediand besser die Interessen und Sichtweisen Ihres Gegenübers verstehen. Außerdem gelingt es mit dem Perspektivwechsel die Kreativität freizusetzen, die es für das Entwickeln von Win-Win-Lösungen braucht.

Warum fällt uns der Perspektivwechsel so schwer?

Trotz der Wichtigkeit und den Vorteilen, die ein Perspektivwechsel mit sich bringt, fällt es Ihnen sicherlich nicht immer leicht tatsächlich die Perspektive zu wechseln. Doch warum ist das so?

Vielleicht geht es Ihnen gerade bei emotionalen Konflikten so, dass es Ihnen richtig schwerfällt, Ihre eigene Sichtweise für einen Moment zu verlassen?

Noch dazu um sich in die Perspektive Ihrer Konfliktgegner*in einzudenken. Das fordert manchmal wirklich Überwindung, kostet Kraft und ist unbequem. Bequemer ist es da bei der eigenen Sichtweise zu bleiben.

Zu der emotionalen Barriere hinzu kommt, dass Ihnen die ein oder andere kognitive Verzerrung einen Streich spielt.

Unter kognitiver Verzerrung verstehen wir die, meist unbewusste, „systematische fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen“. Häufig liegen ihnen Vorurteile zugrunde.

Welche kognitiven Verzerrungen halten Sie nun möglicherweise davon ab die Perspektive zu wechseln?

  • Der Bestätigungsfehler (confirmation bias) ist eine menschliche Neigung Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen bestätigen.
  • Bei der illusorischen Überlegenheit neigen Sie dazu Ihre eigenen Fähigkeiten im Verhältnis zu denen anderer zu überschätzen. So fühlen Sie sich weniger beeinflusst und besser als andere, wo dem nicht so ist.
  • Beim Danning-Kruger-Effekt überschätzen Sie in einem bestimmten Gebiet Ihre Expertise und sind gleichzeitig nicht in der Lage die Expertise anderer zu erkennen. Diese Selbstüberschätzung resultiert mitunter daraus, dass es an Wissen mangelt, das eigene Wissen angemessen einschätzen zu können.

Also machen Sie sich immer mal wieder bewusst, dass niemand von uns vor diesen Verzerrungen gefeit ist. Das kann einem Perspektivwechsel im Wege stehen.

Welche Methoden zum Perspektivwechsel gibt es?

Wie kann es Ihnen nun gelingen die Perspektive zu wechseln? Für drei typische Situationen im Arbeitsalltag präsentiere ich Ihnen jeweils zwei Methoden, auf die Sie hierfür zurückgreifen können.

Perspektivwechsel für mehr Kreativität

Sie stehen vor einer Herausforderung, die eine kreative Lösung verlangt? Ihr Team will zum Beispiel den Umsatz steigern und alle offensichtlichen Potentiale sind bereits ausgeschöpft? Dann versuchen Sie es doch mal mit diesen Methoden:

Kopfstand Methode

Bei dieser Methode geht es darum ein Problem oder eine Herausforderung aus der entgegengesetzten Richtung zu betrachten:

Statt „Was muss ich tun, um die Kundenzufriedenheit zu steigern?“, lautet bei der Kopfstand-Methode die Frage: „Was muss ich tun, um die Kundenzufriedenheit zu verringern?“ Jetzt wissen Sie, was Sie tun müssen, um das Gegenteil von Ihrer eigentlichen Fragestellung zu erreichen.

Und daraus können Sie auch ableiten, wie Sie zu Ihrem eigentlichen Ziel kommen. Die Methode baut darauf auf, dass Studien gezeigt haben, dass es uns oft leichter fällt Antworten auf entgegengesetzte Fragen zu finden.

6-Hüte-Modell nach de Bono

Die Methode, von Edward de Bono vorgestellt, eignet sich, um komplexe Fragstellungen anzugehen.

Außerdem können Sie mit der Methode Bestehendes aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Die Methode können Sie sowohl alleine, als auch in der Gruppe nutzen.

In Gruppendiskussionen ist es wichtig, dass alle den gleichen Denkhut zur selben Zeit aufhaben. Damit stellen Sie sicher, dass alle im gleichen Denkmodus sind. Außerdem vermeiden Sie so Konflikte zwischen den Farben.

Perspektivwechsel - 6 Denkhüte nach de Bono

Perspektivwechsel in Konflikten

Nicht nur bei der Ideenfindung kann Ihnen ein Perspektivwechsel wertvolle, neue Einblicke liefern.

In Konfliktsituationen ist es ebenfalls hilfreich, den eigenen Standpunkt zu verlassen und sich in die andere Konfliktpartei hineinzuversetzen.

Auch hier finden Sie zwei Methoden für den Alltag, um aus Sackgassen herauszukommen.

Zirkuläre Fragen

Bei zirkulären Fragen geht es nicht länger um Ihre eigene Einstellung oder Handlung. Im Gegenteil eine zirkuläre Frage zwingt Sie mit den Augen einer anderen Person auf die Situation zu blicken.

Beispielfragen für Konfliktsituationen in der Arbeitswelt könnten sein:

  • Wie würde Ihre Chef*in die Situation einschätzen?
  • Was würde Ihre Kund*in dazu sagen, wenn Sie ihm diese Anpassung vorschlagen?
  • Wie würden Ihre Mitarbeitenden auf diese Veränderung reagieren?

Hypothetische Fragen

Bleiben wir bei den Fragen. Eine weitere Kategorie sinnvoller Fragen in Konfliktsituationen sind hypothetische Fragen.

Mit diesen Fragen können Sie Ihre Kreativität auf der Suche nach potenziellen Lösungen anregen. Außerdem können Sie aus den Antworten nächste Schritte in dem Prozess ableiten.

Und auch hier finden Sie ein paar Beispielfragen:

  • Wie würde eine Lösung aussehen, wenn Geld keine Rolle spielt?
  • Was würden Sie tun, wenn Sie die Entscheidung allein treffen könnten?
  • Was wäre, wenn Sie sich nicht mehr über Ihre Mitarbeitenden aufregen würden?

Perspektivwechsel in Verhandlungen

Festgefahrene Verhandlungen können nervenaufreibend sein. Die Argumente und Standpunkte sind ausgetauscht und es geht weder vor noch zurück. Auch hier kann ein Perspektivwechsel helfen neue Impulse zu geben.

Auf den Balkon treten

Ein Tipp, der auf William Ury zurückgeht, den Co-Autor von „Das Harvard-Konzept“.

Ury rät in Verhandlungen dazu, regelmäßig auf einen imaginären Balkon zu treten und von dort auf das Verhandlungsgeschehen zu blicken.

So trennen Sie sich von den Details des aktuellen Verhandlungsgeschehens. Mit dieser Distanz fällt es Ihnen leichter das große Ganze zu sehen und neue Perspektiven zu gewinnen. So finden sich auch neue Lösungen und Handlungsoptionen, um Ihr Ziel zu erreichen.

Reverse Engineering

Denken Sie Ihre Verhandlung nicht vom Anfang aus, sondern gehen Sie ans Ende. Stellen Sie sich vor, dass Sie Ihre Ziele erreicht haben. Und von diesem Punkt gehen Sie einen Schritt zurück:

  • Wer muss am Ende „ja“ zu Ihrem Vorschlag gesagt haben?
  • Was braucht diese Person, um „ja“ zu sagen?
  • Welche Vereinbarungen zwischen welchen Parteien (intern oder extern, direkt oder indirekt) muss es geben?

Und nun gehen Sie zum vorletzten Schritt und stellen sich die gleichen Fragen. Tun Sie das so lange, bis Sie im Hier und Jetzt angekommen sind.

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Ja, ich möchte

Fazit

Es ist normal, wenn Ihnen Perspektivwechsel schwerfallen.

Nicht nur müssen Sie bekanntes Terrain verlassen, auch kognitive Verzerrungen sorgen dafür, dass Sie bestimmte Aspekte ausblenden.

Dennoch ist ein Perspektivwechsel hilfreich, egal ob Sie kreative Lösungen entwickeln sollen, in einem Konflikt neue Optionen suchen oder Verhandlungen zum Erfolg führen wollen.

Bereits mit einfachen Methoden zum Perspektivwechsel können Sie diese Situationen mit neuer Energie beleben.

Titelbild: istock.com/dem10

Wer schreibt hier?

Henning Landers, Wirtschaftsmediator. Mediationen und Konfliktberatung.

Hallo, ich bin Henning Landers, Wirtschaftsmediator (IHK) und Experte für nachhaltiges Konfliktmanagement.

In meinem Blog dreht sich alles um Wirtschaftsmediation, Konfliktmanagement und Kommunikation. Hier lernen Sie erprobtes Wissen zur praktischen Anwendung im Business kennen.

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