Inhalt:

1) Mediation verstehen: Was ist Mediation?

2) Für welche Konflikte eignet sich Mediation?

3) Den richtigen Mediator auswählen

4) Mediationsverfahren gestalten

Yoga-Matte und Wollsocken statt Business-Verhandlungen und Win-Win-Lösungen sind vor einigen Jahren sicherlich noch die ersten Assoziationen gewesen, wenn das Stichwort Mediation fiel.

Was hat es nun auf sich mit diesem immer noch als neuartig erlebten Konfliktbeilegungsverfahren? Welche Konflikte eignen sich überhaupt für eine Mediation und welche nicht? Finden Sie heraus, wie Sie Mediation erfolgreich und gewinnbringend nutzen.

Mediation verstehen: Was ist Mediation?

Was ist überhaupt Mediation? Beginnen wir mit einer formalen Definition:

„Mediation ist ein strukturiertes Verfahren zur konstruktiven, außergerichtlichen, vertraulichen, freiwilligen und eigenverantwortlichen Konfliktlösungen.“

Das Besondere dabei: In einer Mediation verhandeln die Parteien (auch Medianden genannt) nicht länger über Positionen, sondern vielmehr stehen ihre Interessen im Mittelpunkt.

Indem die Medianden darüber sprechen, was ihnen wirklich wichtig ist, erweitert sich auch der Raum möglicher Lösungen.

So wird in einem ganz einfachen Beispiel aus einem „Hey Boss, ich will mehr Geld!“ ein „Hey Boss, ich will Wertschätzung und Anerkennung!“

Dieser Prozess wird durch den Mediator unterstützt. Er ist allparteilich, in den Konflikt nicht involviert (also neutral) und gibt den organisatorischen und methodischen Rahmen. Damit haben die Medianden den Kopf frei für die Inhalte, die ihnen wirklich wichtig sind.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Insgesamt gibt es in einer Mediation 6 Prinzipien: Vertraulichkeit aller geteilten Informationen, Allparteilichkeit des Mediators, Neutralität des Mediators, Freiwilligkeit, vollständige Informiertheit, Eigenverantwortlichkeit der Medianden (mehr dazu hier)

Und nun zurück zum Mediationsverfahren: In der Praxis hat sich das fünfstufige Vorgehen bewährt:

Die 5 Phasen der Mediation. Von Positionen zur Win-Win-Lösung.

Und nun mehr über die Phasen:

Hier dreht sich alles um das Verfahren an sich. Das Verfahren, die Ziele, die Aufgabe und Rolle des Mediators werden ausführlich erklärt.

Die Medianden haben Zeit ihre individuellen Fragen zu stellen und Unklarheiten zu klären. Soweit erforderlich können die Medianden hier Gesprächsregeln aushandeln.

Oder um was geht es denn überhaupt? In der zweiten Phase haben die Medianden die Gelegenheit ihre Sichtweise auf den Konflikt darzulegen.

Der Mediator unterstützt die Medianden dabei die relevanten Themen zu identifizieren und zu priorisieren, die im weiteren Verlauf der Mediation behandelt werden sollen.

Jetzt geht es an den Kern. Welche Interessen, Motive und Bedürfnisse liegen hinter den Positionen.

Hier hat der Mediator die Aufgabe, einerseits die Medianden in die Lage zu versetzen, ihre Interessen und Bedürfnisse zu erkennen und auszusprechen (Empowerment), sowie andererseits die Interessen und Bedürfnisse der anderen Seite anzuerkennen (Recognition).

Darüber hinaus geht es in dieser Phase darum, Übereinstimmungen und Abweichungen zu verdeutlichen und die Vollständigkeit der genannten Interessen zu überprüfen.

Nach dem nun die Interessen, Motive und Bedürfnisse auf dem Tisch liegen, können die Medianden nun ihrer Kreativität freien Lauf lassen und aus den Erkenntnissen der vorherigen Phasen praktische Lösungsoptionen zu erarbeiten.

Die Lösungsoptionen werden schließlich bewertet und ausgewählt; entscheidend dabei ist, dass sie den Interessen und Bedürfnissen der Medianden gerecht werden.

Die Lösungsoptionen der Phase 4 werden schließlich auf machbare Handlungen hin verdichtet.

Die Medianden erarbeiten konkrete und realistische Schritte, die auch tatsächlich umsetzbar sind.

Diese werden abschließend in einer Abschlussvereinbarung festgehalten; mit dem Ziel die Ergebnisse schriftlich abzusichern und überprüfbar zu machen.

Für welche Konflikte eignet sich Mediation?

Ganz grundsätzlich eignet sich eine Mediation zur Konfliktlösung in nahezu alle Lebensbereiche eignet: Wirtschafts- und Arbeitsleben, Partnerschaft & Familie (Trennung, Scheidung, Erbangelegenheiten), Erziehung & Bildung, Generationenkonflikte, Täter-Opfer-Ausgleich und vieles mehr.

Im Wirtschafts- und Arbeitsleben sind die folgenden Konflikte Beispiele für Streitigkeiten, die sich erfahrungsgemäß gut mit Mediation klären lassen. Konflikte zwischen Unternehmen:

  • Streitigkeiten zwischen Produzenten und Kunden
  • Konflikten zwischen Produzenten und Lieferanten
  • Fragen der Macht- und Kompetenzverteilung nach M&A-Prozessen

Außerdem solche Konflikte innerhalb von Unternehmen

  • Konflikte zwischen Gesellschaftern, im Management-Team
  • Konflikte im Zusammenhang mit betrieblichen Umstrukturierungs- oder Change-Maßnahmen
  • Machtfragen und Kompetenzstreitigkeiten zwischen Mitarbeitenden der gleichen Hierarchiestufe
  • Konflikten zwischen Mitarbeitenden und Führungskraft

Diese Aufzählungen sind natürlich nicht abschließend und am Ende kommt es immer auf den Einzelfall an, wie so häufig im Leben.

Ganz generell lässt sich daher sagen, dass sich Konflikte für Mediation eignen, die die folgenden Kriterien erfüllen:

  1. Die Interessen stehen für die Parteien im Vordergrund, das heißt es geht den Parteien weniger um rechtliche Positionen, als um die dahinterliegenden (wirtschaftlichen) Interessen.
    Denn bei genauerer Betrachtung lassen sich die Interessen der Parteien in einer Mediation häufig besser in Einklang bringen, als in einem Zivilprozess.
  2. Es geht den Parteien um die Gestaltung der Zukunft und nicht darum die Schuld für Taten der Vergangenheit zu suchen. Das kann in manchen Konflikten eine gemeinsame Zukunft bedeuten. In der Mediation werden die dazu nötigen kreativen Energien freigesetzt, um Lösungsoptionen zu erarbeiten, die Kräfte schont, Beziehungen erhält und verbessert.
    Nichts desto trotz kann es einer Mediation um eine interessengeleitete Auflösung einer Vertrags- oder Wirtschaftsbeziehung gehen. So kann Mediation auch hier eine sinnvolle Alternative zu langwierigen Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang darstellen.

  3. Vertraulichkeit ist den Parteien wichtig. Gerichtsverfahren finden in Deutschland stets öffentlich statt. Damit drohen schlechte Presse, unliebsame Mitwisser und die Veröffentlichung von Geschäftsgeheimnissen. Eine Mediation bietet einen vollkommen vertraulichen Rahmen.
  4. Es geht um schnelle Ergebnisse. Gerichts- und Schiedsverfahren sind häufig langwierig, insbesondere dann, wenn es durch mehrere Instanzen geht. Mit einer Mediation lassen sich häufig zügige Ergebnisse erzielen, was zum Beispiel besonders wertvoll sein kann, wenn damit längerfristige (Bau-)Projektstopps vermieden werden.
    Die Geschwindigkeit von Mediationen ergibt sich auch aus der Möglichkeit das Verfahren ganz oder teilweise online stattfinden zu lassen (s. auch Blogartikel: Online-Mediation – ein effektiver Weg zur Konfliktlösung in einer globalisierten Welt).
  5. Es sind starke Emotionen im Spiel. In Wirtschaftskonflikten werden sie zwar meistens aus dem Bewusstsein ausgeblendet, aber auch hier spielen sie eine gewichtige Rolle: Emotionen.
    Rache, Neid, das Bedürfnis nach Anerkennung, um nur ein paar zu nennen. Mit diesen Emotionen stehen Verhandlungen unter keinem guten Stern. Ein Mediator kann hier die Gespräche von der Emotionalität befreien, eine neutrale Instanz darstellen und Struktur bieten.

Den richtigen Mediator auswählen

Zu erkennen, ist mein konkreter Konflikt für eine Mediation geeignet oder nicht, ist der erste wichtige Schritt, um Mediation erfolgreich einzusetzen.

Mindestens genauso wichtig ist es einen geeigneten Mediator auszuwählen und zu engagieren.

Denn im Gegensatz zu Verfahren vor Gericht, wo die Konfliktparteien keinen Einfluss auf die Auswahl des Richters haben, können die Konfliktparteien in einer Mediation den Mediator bestimmen, der ihnen am geeignetsten erscheint.

Doch was sind die wichtigen Kriterien bei der Auswahl eines Mediators?

An erster Stelle steht hier sicherlich, dass die Medianden dem Mediator vertrauen sollen und müssen.

Neben Persönlichkeit und Ausstrahlung des Mediators, wird sich das Vertrauen in den Mediator häufig daran bemessen, welche Methoden- und relevante Sachkompetenz er oder sie für den Fall mitbringt. Dabei kann es sich sowohl um Fachwissen in den Themengebieten des Konflikts handeln, als auch um Sprachkompetenzen oder interkulturelle Kompetenzen.

In Bezug auf die Methodenkompetenz können Zertifizierungen nach der Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung (ZMediatAusbV) oder nach Verbandsstandards (z. B. Bundesverband Mediation oder Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt) ein Indikator sein.

In den meisten Fällen werden Zertifizierungen aber nicht relevante praktische Erfahrungen des Mediators ersetzen.

Wichtig ist, dass es nicht nur die Möglichkeit gibt eine Mediatorin oder einen Mediator zu benennen, sondern auch Teams von zwei oder mehr Mediatoren zu beauftragen.

So können beispielsweise mehrere Geschlechter, Nationalitäten und Fachexpertisen im Mediatorenteam vertreten sein, wenn die Medianden dies als wichtig für die Konfliktklärung erachten.

Ein weiterer Mediator oder eine Mediatorin wird die Verfahrenskosten sicherlich steigern, sodass es zu einer genauen Abwägung zwischen Zusatznutzen und Zusatzkosten kommen sollte.

Häufig lassen sich die Zusatzkosten begrenzen, da Mediatoren durchaus bereit sind ihr Honorar anzupassen, wenn sie im Team unterwegs sind. Darüber hinaus lassen sich Vor- und Nachbereitung im Team verteilen und Mediationsverfahren mit Mediatorenteams können häufig straffer organisiert und somit kürzer gehalten werden.

Ausführliche Informationen zu den Kosten eines Mediationsverfahrens lesen sie hier.

Inzwischen gibt es zahlreiche Institutionen, die Medianden bei der Auswahl eines geeigneten Mediators unterstützen. Beispielsweise führen Industrie- und Handelskammern Mediatorenverzeichnisse mit ihren entsprechenden Qualifikationen.

Mediationsverfahren gestalten

Während Gerichtsverfahren sich an die verbindlichen, rechtlichen Vorgaben zur Verfahrensausgestaltung halten müssen, haben die Medianden bei der Ausgestaltung der Mediation eine weitgehende Verfahrensautonomie.

Dies geht natürlich einher mit einem höheren Organisationsaufwand bei der Ausgestaltung des Mediationsverfahrens, der sich aber durch die Verwendung von Musterverfahrensordnungen, die von vielfältigen Institutionen (z. B. Industrie- und Handelskammern) kostenlos bereitgestellt werden, gut begrenzen lässt.

Im nachfolgenden finden Sie eine Übersicht über mögliche Gestaltungsspielräume im Mediationsverfahren:

  • Beginn und Ende der Mediation
  • Ernennung des Mediators
  • Verfahrensteilnehmer auf Seiten der Medianden (z. B. Berater, Rechtsanwälte, usw.)
  • Vertraulichkeit
  • Mediationsablauf und Aufgaben des Mediators
  • Umgang mit parallel laufenden (Schieds-) Gerichtsverfahren
  • Kosten

Musterverfahrensordnung können Sie unter anderem bei folgenden Institutionen abrufen (die Aufzählung ist nicht abschließend und stellt keine Empfehlung zur Verwendung dar):

Titelbild: iStock.com/AzmanL

Henning Landers

Henning Landers Wirtschaftsmediator aus München. Ihr Partner für Mediation, Konfliktmanagement und Konfliktberatung.

Henning Landers ist Wirtschaftsmediator (IHK) und Experte für nachhaltiges Konfliktmanagement sowie tragfähige Konfliktlösungen.

Seine langjährige Berufserfahrung lehrte ihn: Konflikte im Kleinen wie im Großen lassen sich in Lösungen transformieren, die für alle Parteien funktionieren. So lässt sich die Zusammenarbeit stärken und gemeinsame Erfolge werden wieder möglich.

Seine drei Schlüssel zum Erfolg sind: Sein besonnenes, norddeutsches Temperament, der unverstellte Blick von außen sowie Struktur.

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