Wenn ich mit Entscheidern in Unternehmen spreche, die sich für das Thema Wirtschaftsmediation interessieren, dann sind es diese beiden Fragen, die häufig schnell gestellt werden:

Wie viel kostet ein Mediator?
Oder auch: Ja und wie viel kostet eine Wirtschaftsmediation?

Und vielleicht haben auch Sie sich diese Fragen schon gestellt. Deswegen schauen wir uns in diesem Blogartikel einmal an, wie viel ein Mediator kostet und was es sonst noch zum Thema Kosten zu wissen gibt.

Inhalt

Wie viel kostet ein Mediator?

Das wichtigste zuerst: In Wirtschaftsmediationen kostet ein Mediator zwischen 150 EUR und 350 EUR je Stunde. Wobei meiner Erfahrung nach die meisten gut ausgebildeten Wirtschaftsmediatoren zwischen 200 EUR und 350 EUR je Stunde verlangen. Hinzu kommt in der Regel noch Umsatzsteuer.

In Mediationen ist es üblich nach Stunden abzurechnen; teilweise gibt es auch Tagessätze. Wichtig ist hierbei zu wissen, dass hier in der Regel sowohl Vor- als auch die Nachbereitung der Mediationssitzungen mit dem gleichen Stundensatz abgerechnet werden. Meine Empfehlung: Achten Sie im Vertrag, den Sie mit dem Mediator schließen, darauf, dass diese Punkte geregelt sind. Schließlich haben so alle Klarheit.

Nicht ganz billig mögen Sie jetzt denken, gleichzeitig gilt es hier zu bedenken, dass die Kosten für den Mediator in der Regel zu gleichen Teilen von allen Konfliktparteien getragen werden (mehr dazu unter Wer bezahlt die Mediation?). Außerdem entfallen bei einer erfolgreichen Mediation sowohl die Gerichtskosten (mehr zu den Gerichtskosten weiter unten) als auch die Verfahrenszeit.

Um selber ein Gefühl für Stundensätze zu bekommen, lohnt es sich in Mustermediationsvereinbarungen zu schauen, die Sie im Internet frei zugänglich finden können. Ich habe Ihnen hier mal beispielhaft Ausschnitte aus 3 Mediationsordnungen zusammengestellt:

Wie viel kostet ein Mediator? Ausschnitt aus der Eucon-Gebührenordnung

Ausschnitt aus der eucon Gebührenordnung

Wie viel kostet ein Mediator? Ausschnitt aus der Disarb.org-Gebührenordnung

Ausschnitt aus der Disarb.org Mediationsordnung

Wie viel kostet ein Mediator? Ausschnitt aus der IHK-Hamburg-Gebührenordnung

Ausschnitt aus der IHK-Hamburg Honorarordnung

Gibt es noch weiteren Kosten, die entstehen können?

Hier lautet die Antwort: Es kommt darauf an.

Neben dem Honorar für den Mediator können noch weitere Auslagen des Mediators hinzukommen, sowie Kosten für Gutachten, Expertisen und Beratungsdienstleistungen.
Beispiele für Auslagen des Mediators sind: Reise- und Übernachtungskosten sowie Raumkosten. Raumkosten entstehen dann, wenn die Mediation nicht online oder nicht im Büro des Mediators stattfindet, sondern an einem anderen Ort.

Ein neutraler Ort zur Durchführung einer Mediation kann durchaus sinnvoll sein und Ihnen zum Beispiel ermöglichen frei von alltäglichen Ablenkungen an einer Konfliktlösung zu arbeiten.

Gutachten, Expertisen und Beratungsdienstleistungen kommen vor allem dann zum Tragen, wenn es um komplexe finanzielle, rechtliche und/oder steuerliche Sachverhalte geht, zum Beispiel im Zusammenhang mit Erbmediationen, Unternehmensnachfolgen oder zwischenbetrieblichen Mediationen. Freilich liegt es in Ihrem Ermessen diese Beratungen hinzuziehen oder auch nicht. Gut ausgebildete Mediatoren werden Sie in jedem Fall darauf hinweisen, wann es sinnvoll sein könnte externe Beratung hinzuziehen.

Wer bezahlt die Mediation?

Wie ich bereits oben geschrieben habe, werden die Kosten für das Mediationsverfahren, also das Honorar für den Mediator, wie auch die Auslagen von allen Konfliktparteien gemeinschaftlich und zu gleichen Teilen getragen. Übliche Formulierungen im Vertrag mit dem Mediator lauten zum Beispiel wie folgt:

„Die Parteien zahlen das Honorar und die notwendigen Auslagen zu gleichen Teilen. Sie haften gegenüber dem Mediator als Gesamtschuldner.“

Denn: „Wer zahlt, bestimmt die Musik.“ Über die Gleichverteilung der Kosten zwischen den Parteien ist sichergestellt, dass der Mediator zu keiner Partei ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt. So bleiben Allparteilichkeit und Neutralität gewahrt.

Eine Ausnahme will ich an dieser Stelle nicht verschweigen. Und das sind die innerbetrieblichen Mediationen, also Konfliktklärungen zwischen Führungskraft und Mitarbeitendem sowie zwischen Mitarbeitenden untereinander. Bei innerbetrieblichen Mediationen ist es üblich, dass der Arbeitgeber die vollständigen Kosten für die Mediation übernimmt, zieht er ja aus befriedeten Konflikten den vollen Nutzen (die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit).

Welche finanziellen Vorteile bietet Mediation?

An dieser Stelle möchte ich einen Blick darauf werfen, wie sich Mediation und Gerichtsverfahren aus einer Kostenbrille unterscheiden. Ein Blick in den Weltbank-Bericht Doing Business 2020 gibt Aufschluss darüber, wie hoch die durchschnittlichen Gerichtskosten (in % vom Streitwert) sind und wie lange ein Verfahren in der ersten Instanz (in Tagen) dauert.

Gerichtsverfahren in der 1. Instanz in Deutschland

0 Tage
Dauer
0%
Verfahrenskosten
Während erstinstanzliche Gerichtsverfahren in Deutschland laut Weltbankstudie im Durchschnitt rund 14% vom Streitwert kosten (In den EU-Ländern des Reports betrugen die durchschnittlichen Verfahrenskosten gar 21% des Streitwertes.), lassen sich mit Wirtschaftsmediation spürbar geringere Verfahrenskosten erzielen. In den meisten Fällen dürften sich Verfahrenskosten von maximal 10% des Streitwertes ergeben und in vielen Fällen deutlich geringere Verfahrenskosten. Einflussfaktoren sind insbesondere die Komplexität des Falls sowie die Zahl der Beteiligten. Noch nicht eingepreist ist hier der Zeitvorteil von Mediation gegenüber Gerichtsverfahren.
In Deutschland müssen Sie, nach der oben zitierten Weltbank-Untersuchung, mit einer Verfahrensdauer von 499 Tagen rechnen. Die durchschnittliche Verfahrensdauer unter den EU-Ländern des Reports betrug sogar 676 Tage.

Im Vergleich dazu zeigt die Erfahrung, dass Wirtschaftsmediationen in der Regel zwischen einem Monat (einfache Fälle) und weniger als einem Jahr (bei komplexeren Fällen) dauern. Auch die Verfahrenskosten für eine Wirtschaftsmediation lassen sich gering halten. Konkrete Fallbeispiele finden Sie zum Beispiel in meinem Blog-Artikel zu versteckten Konfliktkosten. Sowohl Erfahrung als auch Untersuchungen zeigen, dass ungelöste Konflikte einerseits schnell zu Konfliktkosten in sechsstelliger Höhe führen. Andererseits sind sich viele Unternehmer dieser Kosten gar nicht bewusst. Haben Sie sich schonmal die Frage gestellt: Welche versteckten Konfliktkosten fallen in meinem Unternehmen eigentlich so an?

Titelbild: istock.com/Chalirmpoj Pimpisarn

Henning Landers

Henning Landers Wirtschaftsmediator aus München. Ihr Partner für Mediation, Konfliktmanagement und Konfliktberatung.

Henning Landers ist Wirtschaftsmediator (IHK) und Experte für nachhaltiges Konfliktmanagement sowie tragfähige Konfliktlösungen.

Seine langjährige Berufserfahrung lehrte ihn: Konflikte im Kleinen wie im Großen lassen sich in Lösungen transformieren, die für alle Parteien funktionieren. So lässt sich die Zusammenarbeit stärken und gemeinsame Erfolge werden wieder möglich.

Seine drei Schlüssel zum Erfolg sind: Sein besonnenes, norddeutsches Temperament, der unverstellte Blick von außen sowie Struktur.

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